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Foto (c) 2019 Patricia Peribánez

Was Hummus angeht

Der Nahost-Konflikt als Seifenoper: die Komödie »Tel Aviv on Fire«

Es beginnt am Seifenoper-Set.

Gedreht wird dort die TV-Soap »Tel Aviv on Fire«. Denselben Titel trägt auch diese lässige Komödie des palästinensischen Regisseurs Sameh Zoabi, um die es hier gehen soll: die israelisch-europäische Koproduktion »Tel Aviv on Fire«.

Kameramann Laurent Brunet führt den Zuschauer zunächst mit klassisch farbübersättigten Bildern und dramatischen Kamerabewegungen in die Handlung dieser Erfolgsserie ein: Die arabische Meisterköchin Manal (Lubna Azabal), die sich als Französin ausgibt, wird am Vorabend des Sechstagekriegs von ihrem palästinensischen Geliebten als Spionin auf einen israelischen General angesetzt.

Die schnulzige Telenovela vereint Palästinenser und Israelis wenigstens vor dem Bildschirm – auch was Hummus angeht, scheinen die verfeindeten Seiten den gleichen Geschmack zu haben, wie man im Verlauf dieses Films erfährt. Der dreißigjährige Nichtsnutz Salam, herrlich stoisch verkörpert von Kais Nashif, der zu Recht für diese Rolle bei den Filmfestspielen 2018 in Venedig den Darstellerpreis erhalten hat, ist von seinem erfolgreichen Onkel Bassam – einem Veteran des Sechstagekriegs – in dessen Filmproduktionsfirma eingestellt worden. Der tollpatschige Slacker soll bei den täglich stattfindenden Dreharbeiten für die populäre TV-Soap die Aussprache der hebräischen Dialoge überwachen.

Da Salam noch in Jerusalem bei seiner Mutter wohnt und in Ramallah arbeitet, muß der unbedarfte junge Mann täglich zweimal den israelischen Grenzpostens passieren.Wegen seiner diplomatischen Ungeschicktheit gerät Salam jedoch in die Fänge des autoritären, aber nicht unsympathischen, israelischen Kommandanten Assi (Yaniv Biton). Dessen Frau ist ebenfalls ein Riesen-Fan der schnulzigen Seifenoper. 

Fortan möchte Assi auf den Verlauf der Telenovela Einfluss nehmen, um seine Ehefrau zu beeindrucken. So erpresst er Salam, der inzwischen zum Drehbuchautor aufgestiegen ist, den in der Telenovela vorkommenden fiktiven, israelischen General, in dem Assi sich mehr und mehr selbst sieht, mit mehr romantischer Tiefe zu versehen. Die daraufhin von Salam an der TV-Serie vorgenommenen Änderungen kommen wider Erwarten beim Publikum sehr gut an. 

Im Verlaufe des Films entwickelt sich aufgrund dessen sogar eine Art Bromance zwischen den beiden Assi und Salam, denn dieser kennt sich mit Romantik überhaupt nicht aus.

Andererseits gelingt es dem sich mehr und mehr emanzipierenden, jungen Mann, der nicht nur Rücksicht auf Assis Forderungen nehmen, sondern auch den Ansprüchen der israelfreundlichen Geldgeber, seines sich vom Osloer Friedensvertrag verraten fühlenden Onkels und der divenhaften Hauptdarstellerin gerecht werden muss, immer wieder großes dramaturgisches Geschick zu beweisen und weder zu arg zionistische noch antisemitische Propaganda zu betreiben.

Um das Chaos perfekt zu machen, baut er gelegentlich Sätze in die Serie ein, mit der er seine Ex-Freundin Mariam (Maisa Abd Elhadi), die er gern zurückgewinnen würde, beeindrucken möchte. So verschwimmen Realität und Fiktion in der von einem bestens aufgelegten Ensemble präsentierten Komödie immer mehr miteinander und bieten Anlass zu viel Situationskomik. Mit ihrer amüsanten und  intelligenten Seifenoper, die vom Dreh einer Seifenoper handelt, gelingt es Zoabi und seinem Co-Autoren Dan Kleinmann leichtfüßig und humorvoll mit dem Nahost-Konflikt umzugehen. Leider wird am Ende die Verständigung auf die Leinwand beschränkt bleiben. 

“Tel Aviv on fire” in nd von Juli 2019