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Foto: (c) ©Studiocanal GmbH Filmverleih

Gelungene Schweinerei  

Wildschwein Horst von Borst ist ein herrlich hinterhältiger Zeitgenosse: Das schurkische Tier aus “Mullewapp – Eine schöne Schweinerei” hat es auf Waldemars Geburtstagskuchen abgesehen. Auch die süßen Ninja-Kükenkinder zaubern garantiert ein fettes Schmunzeln ins Gesicht. Und Christian Ulmen verzückt als Sprecher des nerdigen Bibers Benny Blauholz, der nicht schwimmen kann: Endlich kommt nach sieben Jahren mit dem zweiten animierten Kinospaß über die Freunde aus Mullewapp wieder ein Film in die Kinos, den die Eltern getrost mit ihrem Kindergartenkind besuchen können, ohne sich selbst zu Tode zu langweilen. Die Bilderbuch-Adaption von Tony Loeser und Theresa Strozyk überzeugt dieses Mal sogar in gelungenem 3D.

Der Film setzt einen Tag vor dem Geburtstag des freundlich-verfressenen Schweines Waldemar (mit hörbarer Freude gesprochen von Axel Prahl) ein: Die anderen Tiere vom Bauernhof Mullewapp haben ihm zu Ehren eine riesige Torte gebacken, die er längst erschnüffelt hat. Um Waldemar von seinen Gelüsten abzulenken, schlagen seine Freunde Johnny Mauser (Sprecher: Ralf Schmitz) und Franz von Hahn (Sprecher: Michael Kessler) vor, einen Fahrradausflug zu unternehmen.

Das lässt sich Waldemar nicht zweimal sagen. Es ist überaus gelungen, wie die drei gemeinsam auf einem Stahlross durch die Landschaft fliegen, als seien sie eben den kultigen Bilderbüchern entsprungen. Zusätzlich bekommen die Landschaftsbilder durch den schön umgesetzten 3D-Effekt eine berauschende Tiefe verliehen.

Doch auch die Spannung kommt nicht zu kurz: Wildschwein Horst von Borst und seine tumbe Bande haben durch eine Fledermaus, die für die Luftaufklärung zuständig ist, längst Wind von der süßen Überraschung bekommen und einen fiesen Plan geschmiedet, um die Torte zu stehlen. Von Borst lässt sich von den drei Freunden absichtlich über den Haufen fahren und tut so, als sei sein Bein verletzt. Der Plan geht auf: Die drei nehmen ihn mit nach Mullewapp, um ihn gesund zu pflegen. Dort erschleicht er sich mit seiner schleimigen Art das Vertrauen der offenherzigen Bewohner.

Auch in Mullewapp werden die Möglichkeiten des 3D-Effekts gut genutzt: Die niedlich animierten Tierchen müssen sie eine wahre Achterbahnfahrt durch ein dramatisches Gewitter überstehen. Später begeben sie sich noch per plattem Fahrrad auf eine schön gestaltete Fahrt auf Schienen. Spannung und Tempo bleiben jedoch stets dem Alter der Zielgruppe angemessen. Auch dramaturgisch ist der Roadtrip der tierischen Helden an dessen Ende sie die Schurken wieder vom Hof vertreiben müssen, wunderbar ausgewogen.

Aufregende Passagen wechseln sich ab mit ruhig-witzigen Szenen und Slapstick-Nummern: Da pupsen Wildschweine kindlich-anarchisch auf dem nächtlichen Friedhof, während an anderer Stelle der Wert der Freundschaft und des Teamgeists vermittelt wird – ohne allerdings aufdringlich den moralischen Zeigefinger zu erheben. Auch für eine poetische Traumsequenz, in der ganz im Geiste hochwertiger Kinder-Bilderbücher in Scherenschnitt-Manier Mini-Geschichten auf die Mondoberfläche projiziert werden, finden die Macher Zeit.

Am Ende befreit sich sogar die unterwürfige Fledermaus, die man trotz ihrer Ausspioniererei ins Herz geschlossen hat, aus der Abhängigkeit von ihrem herrisch-bösen Boss. Was für eine gelungene Schweinerei.

Von Gabriele Summen
 

Mullewapp von Juli 2016 in Nordbuzz