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Foto: (c) James Balog

Gletschersterben

Jeff Orlowski konfrontiert uns im Dokumentarfilm »Chasing Ice« mit Bildern von der weltweiten Gletscherschmelze – und mit unserem gefährlichen Halbwissen.

Der Zuschauer folgt dem National-Geographic-Fotografen James Balog, der den düsteren Apologeten der globalen Erderwärmung zu Beginn seiner Mission eher skeptisch gegenüberstand. 2007 stellte er dennoch überall in der Arktis vollautomatische Kameras auf, die über einen Zeitraum von sechs Monaten jeweils ein Bild pro Stunde schossen und so das rasante Schwinden der Eisberge dokumentieren sollten. Das Projekt EIS (Extreme Ice Survey) war geboren. Weder die eisige Kälte noch explodierende Kamerabatterien, auch nicht Kabel durchbeißende Füchse oder sein bereits mehrfach operiertes Knie konnten ihn und sein Team aufhalten. Nach vier Jahren ist es so weit: Balog hält etliche Speicherkarten, die »die Erinnerung der Landschaft« beinhalten, in seinen eisigen Händen, und man wird Zeuge dieser unglaublichen Horror-Zeitrafferfilme. Zum Beispiel gelingt es ihm, das »Kalben« eines Gletschers zu dokumentieren: Gigantische Eismassen von der Größe Lower Manhattans stürzen innerhalb von 75 Stunden unwiderruflich ins Meer. Einziger Wermutstropfen: das recht pathetische, Oscar-nominierte Duett von Scarlett Johansson und Joshua Bell am Ende des Films sowie das ausgewalzte persönliche Schicksal des typisch amerikanisch heldenhaften Fotografen.

Gabriele Summen

»Chasing Ice« (USA 2012; R: Jeff Orlowski; D: James Balog, Svavar Jonatansson;)

Chasing Ice / Intro 23.10.2013