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Foto: (c) Real Fiction / gilles·mann filmproduktion

Langweilige Lolita

„Irgendwas beim Fernsehen wäre geil“, antwortet die 18-jährige Zazy auf die Frage, was sie denn am liebsten tun würde. Ruby O. Fee spielt die Lolita in Matthias X. Obergs Psychothriller. Schon bald entpuppt sich Zazy, die die einzige im Film ist, deren Motive nachvollziehbar sind, als eiskalt. Sie arbeitet als Auszubildende bei einem Schneider am Gardasee. Als Marianna (glaubwürdig verkörpert von Petra van de Voort), die Frau eines bekannten TV-Moderators, den Laden betritt, wittert Zazy ihre Chance. Marianna wird ihr Opfer – ein Ausflug mit dem Schneider zu einem abgelegenen Kloster wird ihr zum Verhängnis. Dieser verunglückt nämlich dabei tödlich und Marianna, die negative Publicity vermeiden möchte, lässt sich auf das erpresserische Spiel Zazys ein, die von dem Vergnügungstrip wusste. Sie nimmt die nun arbeitslose Hedonistin mit nach Deutschland und bringt sie auf dem Gestüt einer Freundin unter. Doch mit Zazy reist auch ihr Freund Tomek an (Model Paul Boche) – ein Soziopath, der sie zu immer erpresserischeren Handlungen treibt, dessen Beweggründe jedoch bis zuletzt im Dunkeln bleiben. Ebenso bleibt es der Zuschauerin ein Rätsel, wieso sich Zazy dauernd seinen sexuellen Wünschen unterwirft und ständig in Dessous oder nackig durchs Bild läuft. Der Spannung oder einer verständlichen Dramaturgie dient dies auf jeden Fall nicht.

Zazy DE 2016. Regie: Matthias X. Oberg. Mit: Ruby O. Fee, Paul Boche, Petra van de Voort, Philippe Brenninkmeyer, 98 Min., Start: 30.03. 

Aus: Missy Magazine März 2017