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Foto (c) imago/ZUMA Press/Entertainment Pictures

Krieg im Mädcheninternat

Sofia Coppolas atemberaubendes Südstaaten-Drama der subtilen Blicke und Gesten, bedeutungsschweren Kostüme und wohldurchdachter Ausstattung brachte ihr bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes den Regiepreis ein. 

Ihre Interpretation von Thomas P. Cullinans Roman “A Painted Devil”unterscheidet sich deutlich von Don Siegels machohafter Deutung desselben Stoffes aus dem Jahre 1971. Damals legte der Dirty-Harry Regisseur in „Betrogen“ den Fokus auf seinen Hauptdarsteller Clint Eastwood: Im Sezessionskrieg wird ein verwundeter Nordstaatler von den Bewohnerinnen eines Mädcheninternats aufgenommen und von ihnen heimlich gepflegt. Geschickt spielt er die hysterisch agierenden Frauen gegeneinander aus.

Durch Coppolas feministischen Perspektivwechsel ist der ansehnliche Corporal (Colin Farrell) ein recht freundliches Mannsbild, das den Frauen und ihren unterschiedlich motivierten Begehrlichkeiten von Anfang an hilflos ausgeliefert ist. Die essenzielle Aussage des erschütternd endenden, radikal verdichteten und von feinem Humor durchzogenen Kammerspiels ist jedoch: Krieg und Unterdrückung bringen bei allen Geschlechtern die die rohste Seite hervor. Da kann selbst gelebte weibliche Solidarität einen sehr fiesen Beigeschmack bekommen.

“Die Verführten”. In Missy Magazine 06/17